Zuhören

Eigentlich nicht so schwer. Man bekommt es sogar schon früh beigebracht- das zuhören. Während meiner Schulzeit war ich imme diejenige die zugehört hat. Ich war für alle immer die gute Freundin, mit der man gut reden konnte und die immer für alle da war. Mit der Zeit, habe ich die Schnauze voll davon gehabt. Ich wollte nicht mehr ständig Ansprechpartnerin sein; sich von allen die Probleme anhören und nach Lösungen suchen. Ich habe es gern gemacht - weil ich gebraucht wurde! Es hat sich gut angefühlt wenn man die Person war, an die sich viele wenden. Es hat mich selbstbewusster gemacht.Aber wer hört mir zu? wem kann ich mein Herz ausschütten? Es klingt albern, aber es ist eine berechtigte Frage. Klar, meine Hauptcharaktereigenschaft ist meine ruhige Art. Ich bin der Ruhepol in meiner Ehe; ich bin die ruhige, die bei Familienfesten eher zuhört und beobachtet- aber auch wir ruhigen Menschen brauchen jemanden zum reden. Sogar mein Mann ertappt sich häufiger dabei, wie er spät abends wenn wir im Bett liegen, mich fragt wie denn eigentlich mein Tag war. Auch wenn ich ihm die Frage bereits 5 Stunden vorher gestellt habe und er nur ein simples "und wie war dein Tag?" an seinen Vortrag hängen muss.. Gerade fiel ihm auf, dass er mich gar nicht nach meinem Arztbesuch gefragt hat - mehr wie Magenschleimhautentzündung hat er wohl auch nicht mehr gehört, denn jetzt schnarcht er auch schon. Und wenn er mal fragt und ich erzählen kann, dann werde ich durch irgendetwas unterbrochen - ob er sich mit seinen whatsapp Nachrichten beschäftigt oder er was in den Raum wirft - danach habe ich meist keine Lust weiter zu reden weil ich genau weiß dass er nicht richtig zuhört. Und ob ich rede oder ihm auf japanisch ein Gedicht vortrage.. Den Unterschied würde er manchmal gar nicht bemerken.

21.7.16 22:29

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